Café Digital 2025: Wenn KI auf Kultur trifft

Wie verändert künstliche Intelligenz den Alltag in der Verwaltung? Und welche Rolle spielen dabei Organisation, Prozesse und Haltung? Beim vierten Café Digital am 12. November 2025 im Montforthaus Feldkirch wurde deutlich: Wer Digitalisierung wirksam machen will, muss breiter denken als nur in Tools.

Montforthaus mit 2 Smart City Beach Flags beim Eingang

Daten, Vertrauen und Wirkung

Sabine Meigel, Amtsleiterin für Digitalisierung und IT der Stadt Konstanz, eröffnete die Veranstaltung mit einer eindrucksvollen Keynote. Sie zeigte, wie Städte durch eine klare Datenstrategie, offene Plattformen und Projekte wie smarte Straßenbeleuchtung oder Stadtklimasimulationen resilienter und nachhaltiger werden. Ihr Appell: Datenkompetenz ist keine Zusatzqualifikation, sondern Voraussetzung für zukunftsfähige Stadtentwicklung.

KI ist kein IT-Projekt

Dr. Florian Buehler von der Fachhochschule Vorarlberg betonte, dass Künstliche Intelligenz nicht als Werkzeug, sondern als struktureller Wandel begriffen werden müsse – mit weitreichenden Folgen für Organisation, Rolle und Verantwortung. Sven Horvath von der Marktgemeinde Rankweil machte deutlich: „Die zentrale Herausforderung ist nicht die Technologie – es ist unsere Organisation.“ Rankweil setzt deshalb auf bereichsübergreifende Key-User-Strukturen und regelmäßige Work-Together-Freitagsformate, um echte interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

KIWI: Wissen, das wirkt

Mit dem Projekt KIWI – KI-Wissen & Innovation präsentierte Christoph Kirchengast (Regio Vorderland-Feldkirch) ein Mitmachformat, das über 300 Gemeindemitarbeitende bereits mit Grundlagenschulungen, Tooltests und konkreten Anwendungsfällen erreicht hat. Von Protokollierung über Förderwesen bis hin zu KI-gestützten Konzeptpapieren reicht das Einsatzspektrum. KIWI wurde aus der Stadt Feldkirch heraus initiiert und gemeinsam mit der Regio Vorderland weiterentwickelt. Auch der geplante KIWI-Hackathon 2026, ein kreatives Experimentierformat zur öffentlichen Innovationsförderung, geht auf diese Initiative zurück.

Interne Weiterbildung als Schlüssel: Dornbirn Akademie

Mag. Sylvia Eisenring stellte die „Dornbirn Akademie“ vor – eine interne Weiterbildungsplattform mit derzeit über 80 Trainer:innen aus den eigenen Reihen. Ziel ist es, Wissen generationenübergreifend weiterzugeben, Kompetenzen zu stärken und externe Schulungskosten zu reduzieren. Das Projekt wurde 2025 mit dem Österreichischen Verwaltungspreis ausgezeichnet und gilt als Best-Practice für moderne Personalentwicklung.

Medienbruch ade: Digitaler Belegfluss des Landes

Ein weiteres Highlight: Der neue digitale Belegfluss im Buchhaltungsprogramm VBK.net des Landes Vorarlberg. Die Abwicklung von Eingangsrechnungen erfolgt nun vollständig digital – inklusive automatischer Kontierung, KI-gestützter Datenextraktion und durchgängiger Nachvollziehbarkeit. Die Präsentation des Landes zeigte eindrucksvoll, wie Verwaltungsprozesse beschleunigt, transparenter und effizienter gestaltet werden können.

Digitalisierung sichtbar machen

In mehreren Fachsessions wurde sichtbar, wie digitale Werkzeuge bereits heute Verwaltungspraxis verändern:

  • Das Landesamt für Vermessung und Geoinformation zeigte mit QGIS 4.0 und mobilen Laserscans, wie Durchfahrtshöhen und Infrastrukturmodelle künftig automatisiert aus Punktwolken berechnet werden können.
  • Die Gemeinde Röthis präsentierte eine vollständig integrierte digitale Friedhofsverwaltung, inklusive Grabverlängerung, Bescheidzustellung und GIS-Visualisierung
  • Der Vorarlberger Gemeindeverband und das Land Vorarlberg präsentierten gemeinsam die vollständige Digitalisierung des aufsichtsbehördlichen Genehmigungsverfahrens – mit standardisierten Formularen und medienbruchfreier Kommunikation via V-DOK.

Digitale Lösungen für spezielle Lebensbereiche

Ein besonderes Beispiel für angewandte Digitalisierung in der Freizeit präsentierte das Projekt „Fischen in Vorarlberg“. Die neue App vereinfacht den Zugang zu Erlaubnisscheinen, digitalisiert Fangstatistiken und unterstützt Bewirtschafter sowie Behörden bei der Datenanalyse – datenschutzkonform und benutzerfreundlich.

Fazit: Verwaltung als Möglichmacherin

Café Digital 2025 hat gezeigt: Digitalisierung gelingt dort, wo Menschen sie aktiv mitgestalten. Die Region rund um Feldkirch ist dabei nicht nur Beobachterin, sondern Vorreiterin – mit Projekten, die Technologie, Organisation und Kultur zusammendenken. Und mit Formaten wie diesem, die Vernetzung, Wissenstransfer und Inspiration fördern. Künstliche Intelligenz entfaltet dann Wirkung, wenn auch die Strukturen dahinter lernfähig und offen sind – genau das war in Feldkirch spürbar.

 

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